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Kieferorthopädie
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Kieferorthopädie 34 (2020), Nr. 3     21. Sep. 2020
Kieferorthopädie 34 (2020), Nr. 3  (21.09.2020)

ZEITSCHRIFTENREFERATE, Seite 293-304


Zusammenfassung interessanter internationaler Artikel aus dem Bereich Kieferorthopädie
Miethke, Rainer-Reginald
In allen drei folgenden Besprechungen geht es um sehr unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei einer ausgesprochen ungeliebten Dysgnathie – der Progenie. Ups, was für ein Unwort. Das ist doch längst aus dem Vokabular richtiger Kieferorthopäden gestrichen worden, und das mit Recht. Streichen ist leicht, etwas Neues dafür einzusetzen, oft deutlich schwieriger, denn Angle III ist nur sehr bedingt adäquat, wird doch bei Angles Klassifizierung lediglich die antagonistische sagittale Okklusionsbeziehung der 1. Molaren herangezogen, die aber nie das vollständige Bild dieser charakteristischen Dysgnathie wiedergeben kann. Maxilläre Retrognathie (Hypoplasie, Mikrognathie) tut das ebenso wenig wie mandibuläre Prognathie (Hyperplasie, Makrognathie), denn es gibt ja noch die Kombination dieser beiden Phänomene und die "Kombination von geringer maxillärer Hypoplasie und starker mandibulärer Hyperplasie" ist ungefähr so, als würde man sich mit der linken Hand am rechten Ohr kratzen. Was also tun?
Sollte man einfach nur entsprechende Messwerte für sich sprechen lassen? Zum Beispiel indem man sagt, dass der WITS-Wert einer bestimmten Patientin -5,8 mm, der ANB-Winkel 0,8 ° beträgt, wobei SNA 83,8 ° und SNB 83,0 ° entfallen? Ist das klar ein Fall einer (leichten) mandibulären Prognathie? Nicht wirklich bei einer (negativen) horizontalen Stufe von 15,0 mm. Die Leser der KIEFERORTHOPÄDIE glauben, so etwas gäbe es nicht? Dann mögen sie sich die unten stehende Abbildung anschauen (Abb. 1).
Um alle diese Probleme tunlichst zu vermeiden, wurde in Berlin deshalb zur aktiven Zeit dieses Autors an der Charité der Ausdruck "relative mandibuläre Prognathie" geprägt, denn dies schien ein akzeptabler Kompromiss zwischen der international üblichen und der korrekten Nomenklatur zu sein. So lässt das Wörtchen "relativ" die Wörter Maxilla und Mandibula heraus, aber in Relation kann die eine wie die andere immer zu klein oder zu groß sein. Und was hat dieser Nomenklaturvorschlag bewirkt? Nichts, aber schon die Rolling Stones verkündeten: "Old habits die hard".
Erstaunlich ist es aber auf jeden Fall, dass das Therapiespektrum bei der relativen mandibulären Prognathie von komplexen intraoralen skelettalen Verankerungen über weniger anspruchsvolle skelettale Verankerungen mit Minischrauben bis hin zu herausnehmbaren Geräten mit Druckfedermechanik reicht. Da ist auf jeden Fall für jeden Kieferorthopäden etwas dabei, und sei es nur als Gedankenfutter.
Doch wieder ist alles wie bisher – so gut, so effektiv die einzelnen Modalitäten zu sein scheinen, so haben sie bisher noch nicht ihre ultimative Wirksamkeit bewiesen. Können so wirklich Rezidive/kieferorthopädisch-orthognath kieferchirurgische Kombinationsbehandlungen im späten Adoleszenten-/jungen Erwachsenenalter vermieden werden?
Es bleibt zu hoffen, dass trotz unserer schnelllebigen Zeit des "Nur wer (viel) schreibt, bleibt" viele der frühzeitigen Behandlungen bis lange nach der Pubertät weiterverfolgt werden, sodass die Kieferorthopädenschaft erfährt, was all diese bedingt invasiven Eingriffe wirklich leisten.
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